Erfolgreich auf Turn und River pokern

Erfolgreich auf Turn und River pokern

Wenn der Verlauf einer Pokerhand ein Fußballspiel wäre, welche Positionen würden Turn und River einnehmen? Klar, auf dem Flop wäre der Spielmacher am Werke, der Stratege. Er hält die Zügel fest in der Hand; er bestimmt das Tempo, kreiert den Spielwitz oder sorgt schlicht für Stabilität. Er plant den Fortlauf der Partie.

Dann gibt es im Poker den Turn, im Fußball den Spielerwechsel. Mitunter bringt der Trainer eine frische Flügelzange, auf die die gegnerische Defensive keine passende Antwort findet. Die beiden schnellen Außen stellen den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf. Was der gegnerische Stratege in der Mitte der ersten Halbzeit geplant hatte, wird nun kurzerhand über den Haufen geworfen.

Und schließlich gibt es im Pokerspiel den River, beim Fußball wahlweise den Torhüter oder den Mittelstürmer. Manchmal avanciert der Keeper in der Nachspielzeit zum Helden seines Teams, indem er einen fulminant und platziert geschossenen Ball des Gegners Sekunden vor Abpfiff aus dem bedrohten Eck fischt und somit den 2:1-Sieg seines Teams rettet. Beim Poker hieße er Bluff-Catcher. Liegt das Fußballteam jedoch 1:2 im Hintertreffen, so ist es Zeit für den eigenen Stoßstürmer, den Ball per Paukenschlag in die Maschen zu hauen.

So manch River bietet beim Poker die willkommene Chance, eine technisch verlorene Hand noch via Bluff in eine siegreiche zu wandeln. Ziel des Pokerspielers ist es nun zu erkennen, wann welches Spiel auf Turn und River angebracht ist, wann man mit seiner Flügelzange zur Attacke bläst, wann man seinen Torhüter fangen und seinen Stürmer treffen lässt – und ob.

Tipps dazu, wie Sie besser auf Turn und River im Poker spielen, finden Sie hier anhand von Beispielen.

Was ist der Turn?

Turn Poker ist die dritte von maximal vier Setzrunden in einer Hand beim No Limit Texas Hold'em. Die erste gibt es vor dem Flop, die zweite auf den Flop mit seinen drei Gemeinschaftskarten. Nun wird nach der vierten offenen Karte in der Tischmitte erneut gesetzt.

In den meisten Fällen wird der eingeschlagene Pfad auf dem Flop nun im Turn asphaltiert. Doch manchmal macht der Turn seinem Namen alle Ehre und stellt die Planungen des bis dahin vermeintlich führenden Spielers auf den Kopf. Ein drittes Pik auf dem Board lässt plötzlich einen Flush erahnen, die dritte zusammenhängende Karte einen Straight. Vieles schien auf dem Flop auf eine klassische Top-Pair-Hand hinauszulaufen. Doch womöglich ist ein hohes Paar bereits jetzt nicht mehr genug?

Was ist der River?

Die fünfte und letzte Gemeinschaftskarte in der Tischmitte. River Poker ist die finale Setzrunde im Spiel. Was die Crunch Time in anderen Sportarten ist, die lautstark gefeierte Zugabe auf einem Rockkonzert, die After-Work-Party nach einem fürchterlichen Arbeitstag, den einer der mies gelaunte Chef zur Hölle gemacht hatte; das ist der River beim Poker. Er setzt dem Ganzen die Krone auf.

Pre-Flop-Action sowie die Setzrunden auf Flop und Turn haben den Pot anwachsen lassen, somit schmeißen sich die Pokerspieler jetzt mitunter hohe Summen um die Ohren, um siegreich mit oder ohne Poker-Showdown hervorzugehen. Mathematik spielt hier zwar wie im Pokern immer eine Rolle, doch ist jetzt häufig auch eine stabile Psyche gefragt. Nicht selten transformiert sich das Pokerspiel durch eine saftige Riverbet in ein Spiel der Gedanken, der Tricksereien, der Lügen und der Detektive.

Vier der wichtigsten Grundlagen zum Spielen und Gewinnen von Turn und River

Bevor man sich direkt auf Turn und River stürzt, sollte klar sein: Es sind keine Sportarten für sich, bestenfalls Disziplinen im gesamten Pokerspiel. Das Spiel auf Turn und River ist eingebettet ins große Ganze. Und das fängt beim Poker bereits an, ehe der Dealer die Karten überhaupt verteilt hat. Es gibt nahezu unendlich viele Aspekte, die es beim Texas Hold'em zu berücksichtigen gibt; danach, ob man eine Hand aggressiver oder zurückhaltender spielt; ob man bereit ist, häufiger zu bluffen oder mit relativ schwachen Händen zu callen.

Wichtige Grundlagen, bevor es zur Sache geht:

1. Der allerwichtigste Aspekt: Poker wird von Menschen gespielt!

Nicht etwa von Maschinen (– zumindest sollte es so sein). Jeder Spieler am Tisch hat das, was man ein Image nennt. Besser ist jedoch, man blickt den verschiedenen Kontrahenten hinter die Fassade und kennt ihre Vorlieben und ihre Schwächen. Selbst die weltbesten Spieler haben sie: beliebte

  • Setzmuster
  • Setzhöhen
  • Tells in Mimik und Gestik

Sie versuchen sie oft recht erfolgreich zu kaschieren. Doch sie bleiben Menschen. Der Gag ist, dass sie ihre Gewohnheiten selbst nicht mitbekommen. Ganz egal, wie viel Mühe sie sich geben. Ergo: Insbesondere in den Setzrunden mit höheren Beträgen – eben Turn und River – müssen die anderen Pokerspieler am Tisch viel Wert auf die eigene Herangehensweise legen.

Überspitzt: Gegen Hunderte verschiedener Spieler muss dieselbe starke Made Hand in Hunderten verschiedener Muster gespielt werden. Keine Angst: So kompliziert ist es in der Realität bei weitem nicht, doch das Eingehen auf die teils vollkommen verschiedenen Spielertypen sollte erkannt werden.

Ein Tipp für Online-Spieler: Für verhältnismäßig wenig Geld kann man sich erlaubte und langfristig sehr lukrative Zusatzsoftware zulegen, die über einen langen Zeitraum die Daten von anderen Spielern am Tisch sammelt. Etwa: Wie oft raisen sie vor dem Flop? Wie viele sogenannte Continuationbets spielen sie auf dem Flop, wie oft check-raisen sie den Turn, etc.

2. Cash oder Tourney?

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose – nein! Eben nicht. No Limit Texas Hold'em ist keine Tautologie, es ist nicht still und leise. Es ist laut und leise. Cash Game ist laut, Turnierspiel ist (zumindest weitgehend) leise. Das mathematisch optimale Spiel des Pokers (auf eine einzelne Hand bezogen) findet man erfolgreich nur im Cashgame. Dort gilt es, mit seinen guten und/oder aussichtsreichen Händen große Pötte aufzubauen. Es gilt, auf der richtigen Seite des Chance/Risiko-Verhältnisses zu stehen.

Hier kann man stets nachkaufen, wenn man in einer Hand Pech hatte und seinen Stack verloren hat, oder wenn man sich schlicht verkalkuliert hatte. Anders im Poker-Turnier, wenn es ein klassisches Freezeout-Turnier ist, bei dem man unwiederbringlich raus ist, sobald man all seine Chips verloren hat. Vor allem das aggressive Spiel starker Draws kann zu einem blitzschnellen Turnierende führen. Hier gilt zumindest mit einem üppigen Stack: Strategie ist wesentlich wichtiger als Taktik. Ein gesundes Überleben ist alles, bei erheblichen Zweifeln wartet man auf einen besseren Moment ohne diese Zweifel.

3. Wie viele Spieler sitzen am Tisch / befinden sich in der Hand?

Selbst eine relativ schwache Pokerhand kann stark werden. Wenn man Heads Up Poker spielt, also nur gegen einen einzelnen Gegner, befinden sich beide ununterbrochen in den Blinds (Small Blind, Big Blind), womit schon vor dem Austeilen der Karten ein Pot entstanden ist, auf den beide scharf sind und in den beide investiert haben. Kleine Suited Connectors wie 54s werden mit Position nach dem Flop (im Heads Up hat der Small Blind, stets als Zweiter an der Reihe) standardmäßig schon vor dem Flop geraist.

Wenn jetzt ein Board K-8-4 und im Turn eine 3 mit insgesamt drei oder vier unterschiedlichen Farben erscheint, ist man mit seinem kleinen Viererpärchen etwa in zwei Dritteln aller Fälle vorn – weil der Gegner etwa zu zwei Dritteln aller Fälle den Flop verpasst und im Turn die kleinere 3 erschien. Vollkommen anders sähe es natürlich aus, wenn man sich hier an einem Fullring mit neun oder zehn Spielern befinden würde. Wären davon auf dem Turn noch fünf Leute in der Hand, läge man meist hinten und würde lieber einen kostenfreien River sehen, der eine der verbleibenden beiden Vieren im Deck aufblitzen lässt.

4. Wie ist die Hand bis zu diesem Zeitpunkt verlaufen?

Niemals sollte man eine sogenannte Street (etwa Turn oder River) für sich allein betrachten. Anhand der Action vor dem Flop, auf dem Flop und auf dem Turn haben andere Spieler schon einiges über ihre Hände verraten; oft kann man bestimmte Kartenkombinationen nach diesen Setzrunden quasi ausschließen. Daran gilt es sich auch noch zu erinnern, wenn dieselben Gegner auf einen River urplötzlich hoch betten, der schlicht nur zu den bereits ausgeschlossenen Kartenkombinationen passt.

Beispiel: Grundlegender Flop

Flop: Kh-9h-2s

Ein Beispiel mit einem Flop (Kh-9h-2s), der uns jetzt nicht mehr loslassen wird:

  • Alle haben vor der Hand 200 Euro in ihrem Stack.
  • Der Gegner hat bei Blinds von 1 und 2 € vor dem Flop aus mittlerer Position auf 3xBB (6 €) geraist.
  • Wir haben im Big Blind mit Zehnen (TT) gecallt (mitsamt foldenden SB 13 € im Pot).
  • Nach unserem Flop-Check hat er knapp ein Drittel des Pots gespielt (4 €) – zu wenig, um uns loszuwerden, wir callen (Pot jetzt 21 €).

Auf die 5c im Turn checken wir, er auch! Nun im River fällt der König in Karo. Zwar könnten wir mit K-K-T-T-9 klein betten, um von ihm einen Call mit einem Ass als höchster Karte oder einer 9 zu provozieren, doch aufgrund des Beispiels checken wir erneut.

Er entscheidet sich, nochmal 21 € zu setzen. Oft ein Bluff, um uns von einer Hand wie unserer zu trennen. Denn mit einem vermeintlichen König hätte er auf dem Turn meist erneut gesetzt, um den Pot zu vergrößern, noch stärkere Hände wie 55 (dann ein Set) ebenso. Zwar würde seine Riverbet zu seinem Pre-Flop-Raise mit Händen wie AK und KQ passen, aber nicht zu seinem Turn-Check und der Tatsache, dass er den Pot im Gesamten (dürftige Flop-Bet) bislang klein gehalten hat. Zudem gibt es nur noch zwei verbleibende Könige, wovon er einen besitzen müsste.

Nicht selten zeigt er uns nach unserem River-Call so etwas wie AhQh, besaß die ganze Zeit hohe Karten und wartete auf das dritte Herz auf dem Board, um den Nut-Flush zu bekommen. Natürlich wird er auch manchmal eine sehr starke Hand wie ein Full House oder zumindest einen Drilling besitzen und „tricky“ gespielt haben. Doch da wir 21 € callen müssen, um einen Pot von 42 € zu gewinnen, reicht es uns aus, in mehr als einem Drittel aller Fälle vorn zu liegen. Das schaffen wir bei solchen Handverläufen locker.

AbkürzungFarbe (Suit)SymbolÜbersetzung
sSpades♠️Pik
hHearts♥️Herz
dDiamonds♦️Karo
cClubs♣️Kreuz
Legende für Abkürzungen

Wie spiele ich am besten auf dem Turn?

Die folgenden Tipps gelten selbstredend im Zusammenspiel mit den erwähnten Grundlagen, stehen also genauso wenig isoliert da, wie es Turn Poker innerhalb einer Pokerhand ist. Der Flop bleibt heute immer der Gleiche. Die Anfangsstacks von jeweils 100 Big Blinds (200 Euro) ebenso.

Beobachten

Turn Variante 1

Kh9h2s liegt auf dem Board. Erneut haben wir im Cashgame bei 1/2€ mit TT gegen den Openraise auf 3xBB gecallt. Der kam aber dieses Mal direkt vor uns, während wir auf dem Button sitzen und so jede der weiteren Setzrunden abschließen können. Nach den Folds in den Blinds liegen 15 Euro im Pot. Dieses Mal jedoch setzte der initiierende Spieler nach seiner 5-Euro-Flop-Bet auf die 8c im Turn eine 18-Euro-Bet in den 25-Euro-Pot.

Hier wird es mit TT kribbelig. Der Gegner präsentiert den König, könnte aber womöglich nur auf einem Flushdraw sitzen, vielleicht hat er sogar dank der Acht einen Straight-Draw aufgegabelt. Ein Blick auf unsere beiden Zehnen zeigt, dass wir kein Herz auf der Hand halten. Das macht die Chance größer, dass er die Herz-Zehn selbst auf seiner Hand hat, etwa in Kombination mit dem Ass in Herz. Da wir uns in Position befinden und schauen können, was der Gegner auf dem River zu tun gedenkt, können wir noch einmal callen und bei einer unbequemen Karte (Herz oder Ass etwa) recht sicher auf eine hohe Riverbet seinerseits folden.

Der Grund des Calls: Viele Leute spielen ihre Draws heutzutage auch noch auf dem Turn aggressiv weiter, schaffen es jedoch noch nicht, den (Semi-)Bluff bei einer Blank auf dem River bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Hier wird etwa eine Zwei in Karo auf dem River sehr häufig gecheckt.

Vier Anmerkungen:

  1. Wir callen mit Zehnen keineswegs, um unsere Hand auf ein Set (Drilling) zu verbessern. Die Potodds (18 Euro für 43) sind dafür viel zu schlecht. Insbesondere die Zehn in Herz könnte uns zudem Kopfschmerzen bereiten, da gleichzeitig ein möglicher Flush beim Gegner ankommen könnte.
  2. In vielen Situationen hat der Gegner genau das, was er vorgibt zu haben: einen König. Wenn er also auf einer Blank den River noch einmal hoch bettet, gilt es, eine sehr harte Entscheidung zu fällen. Wie gesagt: Zumindest bis zu einem gewissen Spiellevel bluffen Gegner zumindest aus taktischen Gründen eher nicht alle Streets durch.
  3. Die Entscheidung des Calls treffen wir nur, weil wir die günstige Position besitzen (in Position/IP). Die Bedeutung, die Setzrunde abschließen zu können und zu schauen, was die Konkurrenz vorher tut, kann nicht hoch genug beurteilt werden.
  4. Ein möglicher Reraise auf dem Turn nach seiner 18-Euro-Bet käme beinahe einem Bluff gleich. Gerade gegen sehr aggressive Gegner ist es nicht nur die Befragung nach einem König, sondern könnte ein Reraise-All-In einleiten, gegen das wir umgehend folden müssten. Das wäre dann besonders verschwenderisch, wenn der Gegner tatsächlich nur mit einem Draw gepusht hätte.

Turn mit Draw als Initiator checken

Turn Variante 2

Kh9h2s ist der Flop, wir sitzen wieder im Button, dieses Mal mit JhTh. Der Gegner vor uns macht das Übliche. Nachdem wir aufgrund unseres starken Draws jedoch seine 5-Euro-Flopbet bereits auf 25 Euro gereraist haben und er gecallt hat, liegen nicht nur 65 Euro im Pot, sondern sprichwörtlich seine Karten relativ offen. Er hat mindestens einen starken Draw, oft einen König, manchmal mehr. So etwas wie nur eine Neun oder gar nur eine Zwei fällt bis auf die Kombination Ah2h quasi aus, da er OOP (Out of Position) noch zwei Setzrunden überstehen müsste.

Im Turn kommt erneut die Acht in Kreuz. Er checkt zu uns als Initiator. Die gute Nachricht: Dank der Acht haben noch ein paar Outs mehr dazugewonnen. Ohnehin machte uns jede Dame den Nut-Straight (vier Karten), jetzt kommt noch jede Sieben dazu (nochmal vier Karten). Da wir davon ausgehen, dass der Gegner zumindest einen König auf der Hand hält, bringen uns Zehnen und Jacks auf dem River nicht weiter. Dafür aber vermutlich die verbleibenden Herzkarten. Neben der Q und der 7 sind das sieben weitere. Wir haben also (ohne Discount) 15 Outs, sind gegen eine Made Hand des Gegners knapper Außenseiter.

Sollten wir jetzt erneut betten und gecallt werden, müssen wir treffen. Das ist die schlechte Nachricht. Der Gegner würde beim Call einer 35-Euro-Bet mittlerweile so viel in den Pot investiert haben, dass er wohl nur noch auf Herzkarten den River folden würde. Vielleicht würde er sich auf eine weitere Turn-Bet von uns sogar entschließen, sofort All-In zu gehen.

Ergo: Mit so vielen Outs sollten wir uns den River lieber per Turn-Check anschauen; Outs, von denen insgesamt sechs Damen und Siebenen ohne Herz unsere Hand so gut versteckt halten, dass wir beim Treffen sicher noch einen satten Preis auf dem River erzielen können.

Gute Hände verdienen gute Pötte

Turn Variante 3

Wir wechseln die Seiten, sitzen jetzt selbst in mittlerer Position und halten AsKs. Wir haben den Standard-Raise auf 3xBB gebracht und wurden vom Button gecallt. Überraschend der Flop: Kh9h2s.

Um unsere Hand noch etwas zu verstecken, hätten wir jetzt die vor allem im Internet heißgeliebte kleine Continuation-Bet auf 5 Euro bringen können. Doch wir halten eine starke Hand (Top Pair, Top Kicker). Da wir von allen möglichen Draws und Second Bests gern bezahlt werden möchten, haben wir eine 11-Euro-Bet gebracht. Es gibt bis zu einem gewissen Level kaum Spieler, die hier auf die etwas höhere Bet folden, wenn sie die kleinere gecallt hätten.

Der Gegner hat gecallt, gut für uns: Statt 25 Euro liegen nun bereits 37 im Pot. Turn: 5c. Quasi eine Blank, wenn wir vorn waren, sollten wir es bleiben. Nun wird es mit dem eifrigen Betten schon etwas komplizierter. Wir wollen den Pot füttern, den Gegner aber nicht vertreiben. Etwa Half Pot könnte es tun, da es nicht mehr so stark aussieht, dank der großen Flop-Bet aber im Absoluten ein ordentlicher Betrag ist. Wir setzen 19 Euro, der Gegner callt. Im Pot liegen 75 Euro, wir sind meist vorn.

Die Overbet

Turn Variante 4

Die Overbet ist ein Einsatz, der höher ist als der bestehende Pot. Wir schauen wenige Zeilen hinauf und lassen statt der 5c im Turn dieses Mal die 8h erscheinen. Im Pot liegen 37 €, der Gegner könnte seinen Flush an dieser Stelle bereits gemacht haben, wenn er jedoch nur eine Herzkarte in der Hand hält (wie zum Beispiel TdTh) bekäme er nicht die ausreichenden Odds zum Callen und müsste folden.

Die Overbet bietet sich in diesem Fall aufgrund zweier Gedanken an:

  1. Eine mögliche Two-Pair-Hand (9c8c, Kd8d) könnte ihrerseits aus Angst vor einem möglichen Flush auf unserer Hand vertrieben werden, AK ohne Herz sowieso.
  2. Und im Falle eines All-Ins des Gegners könnten wir AsKs recht bedenkenlos folden – und insgesamt günstiger, als hätten wir Turn und (nach einem Turncall) River gegen den Made-Flush standardmäßig gebettet.

Die Overbet polarisiert. Derart, dass quasi alle Spieler auf recht niedrigem Level nur dann gegen selbe weiterspielen, wenn sie selbst eine sehr starke Hand halten. Auf einem stark koordinierten Board werden auf Overbets nicht selten Two-Pair-Hände und sogar Sets gefoldet.

Die Bremse

Turn Variante 5

Nun lassen wir statt der 8h im Turn die Th erscheinen. Mit KhTh9h und einer vermeintlichen Blank auf dem Board ist die Sache mit unserem Toppair (AsKs) mit sehr viel Vorsicht zu betrachten. Nicht nur Flushes sind nun angekommen gegen einen Spieler, der uns vor dem und auf dem Flop in Position gecallt hat. Diese Turnkarte hat unseren Plan zunichte gemacht, möglichst viel Wert aus dieser Hand zu schlagen. Wir müssen uns umorientieren und auf die Bremse treten.

Durchaus möglich, dass wir noch vorn sind, doch die schlechte Position am Tisch lässt uns nicht viel mehr als einen Check. Uns schlagen:

  • KT
  • K9
  • T9
  • JQ
  • sämtliche Sets
  • vor allem sämtliche Flushes

Alles Hände, die dem Button zuzutrauen sind, ein Ozean an Kombinationen. Wir checken, callen vielleicht eine kleine Turnbet, um zu schauen, was er auf dem River macht. In solchen Situationen ist jedoch vor allem auf die prinzipiellen Grundlagen wie Gegner-Analyse hinzuweisen.


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Wie spiele ich am besten auf dem River?

Folden gegen Dauerfeuer

River Variante 1

Noch einmal tauschen wir die Positionen, halten erneut TT auf dem Button. Auf ein Board von Kh9h2s-5c-Kd schießt der Gegner in insgesamt vier Setzrunden alles ab, was er hat. Er hat uns mit drei Valuebets vor die Wahl eines All-In-Calls gestellt. Tatsächlich könnten wir die Odds in Wahrscheinlichkeiten eines Bluffs umrechnen. Nehmen wir an, unsere letzten 100 Euro müssen wir für 303 Euro im Pot investieren, um zu sehen, ob der Gegner die ganze Zeit geblufft hat. Etwa jedes vierte Mal müsste dies zutreffen, damit die Bilanz ausgeglichen bliebe. Doch an 25 Prozent Gewinn gegen vom Gegner derart forsch gespielten Hände kommt man erfahrungsgemäß nicht im Ansatz.

Bluff-Catching

Wir schauen uns das gleiche Board an (Kh9h2s-5c-Kd), gehen aber ins Turnierpoker in die Bubble-Phase. Hier entscheidet sich, wer der letzte Spieler ist, der ausscheidet, bevor alle anderen im Preisgeld angelangt sind. Mit TT sitzen wir auf dem Big Blind, haben selbst jedoch nur noch vier BB, der kleinste Stack im Turnier ist unter einen BB gefallen, keinesfalls wollen wir vor ihm ausscheiden.

Der Small Blind an unserem Tisch (mit 30 BB) füllt vor dem Flop nur auf, alle Setzrunden werden durchgecheckt, die fünf Karten nacheinander aufgedeckt, bevor der Gegner nach dem König in Karo auf dem River 2BB anspielt. Tatsächlich ist in dieser Situation für uns jede BB-Einheit die halbe Welt, für ihn nicht. Nur mit nichts oder einem absoluten Monster würde er uns als Short Stack fünf freie Karten ansehen lassen. Seine Bet auf dem River ist fast immer ein Steal und passt überhaupt nicht zum gesamten (Karten-)Verlauf der Hand.

Die kleine Bet als Value-, Block- und Lurebet

River Variante 2

Ein letztes Mal tauschen wir die Rollen, halten in mittlerer Position AsKs. Auf dem Button sitzt ein sehr passiver und vorsichtiger Spieler, der mit einer offensichtlich starken Pre-Flop-Hand gecallt hat. Gegen ihn haben wir auf Kh9h2s den Flop klein angespielt, nach einigem Zögern hat er gecallt. Die Turn-5c haben wir absichtsvoll gecheckt, um ihn das Gefühl zu vermitteln, seine Hand sei noch gut. Er checkte zurück.

Der König in Karo macht uns Trips. Wir glauben noch immer, eine zu hohe Bet würde ihn verschrecken - und spielen nur ein Viertel des Pots an. Er callt mit TT und sagt, dass er beinahe gefoldet hätte. Selbst kleine Bets können manchmal ihren Wert (Value) besitzen, auch wenn derartige „Rocks“ als Spielertypen eher die Ausnahme sind. Gleiche Höhe der Bet, andere Intention.

Dieses Mal haben wir vor dem Flop mit As9s geraist und wurden vom Button gecallt. Unsere Versuche auf das Board Kh9h2s-5c den Gegner loszuwerden, sind fehlgeschlagen. Der River bringt den König in Karo. Wieder spielen wir ein Viertel, dieses Mal allerdings nicht als Value-, sondern als Blockbet. Gegen 88, 77, 66 sowie T9 oder 98 liegen wir vorn: Hände, die uns callen würden. Ebenso wie unser beliebtes TT, gegen das wir verlieren, aber nicht Unmengen an Geld.

Die Logik einer Blockbet besteht darin, nicht genau zu wissen, wo man steht und gegen einen möglichen Raise des Gegners zu folden. Daher sollte man genau überlegen, gegen wen man kleine Bets als Value- oder als Blockbets spielt. Nicht, dass wir von einer schwächeren Hand auf dem River per Reraise geblufft werden.

Bleibt noch die Lure Bet. Sie spielt unter stärkeren Kontrahenten mitunter eine Rolle, die noch eine Ecke weiter denken. Dieses Mal halten wir aus mittlerer Position AhQh, haben unseren Flush vergeblich gejagt, sehen aber einen Kontrahenten, der sich auf Kh9h2s-5c nicht sicher fühlt. Der König in Karo auf dem River scheint die Hand kaum zu verändern. Gegen einige Gegner würde man zu einem hohen Bluff, gegen andere zu einem Check/Fold ansetzen. Kennt man seinen Kontrahenten jedoch und hat ihn oft bei vermeintlich kleinen Valuebets auf dem River folden sehen, kann man es hier durchaus mal mit dieser Setzgröße versuchen.

Man nennt diesen Bluff Lure Bet und die Intention ist eben, dass er auf starke Spieler wie eine Valuebet wirkt. Auch hier kurz die Zahlen: Wenn man nur ein Viertel des bestehenden Pots als Bluff spielt, muss dieser Bluff lediglich zu etwas mehr als einem Fünftel der Fälle funktionieren, um langfristig profitabel zu sein.

Die Overbet

River Variante 3

Im Turn-Spiel steht, was sie ist. Hier nun kommt, wie man sie als Bluff verwendet. Da sie polarisiert, zumindest auf dem River entweder enorme Stärke oder meist geplatzte Draws vermittelt, stellt sie vor allem eine psychische Herausforderung für den Gegner dar.

Nehmen wir an, dieser hielte auf das Board Kh-9h-2s-5c-Kd selbst AsKs, würde sich aber einer Overbet ausgesetzt sehen, könnte er sich zumindest im Level der überschaubaren Einsätze meist sicher sein: Entweder der Gegner hat einen geplatzten Herzdraw oder ein Full House.

Der eigene Drilling brächte ihm bei der Beantwortung der Call-oder-Fold-Frage wenig, er ist kaum wertvoller als ein Paar Dreier, eben weil ein solider Pokerspieler mit einer Hand wie KJ hier kaum eine Overbet spielen würde. Setzt man selbst die Overbet, sollte man sich über die Zahlen im Klaren sein. In einen Pot von 100 Euro via Bluff noch einmal 200 Euro zu setzen, heißt, dass man den Fold des Gegners in mehr als zwei Drittel der Fälle benötigt, um langfristig Profit zu machen.

Experten-Empfehlung für erfolgreiches Turn und River Poker

Gute Skills beim Poker auf Turn und River sind ein Schlüssel-Element für langfristige Erfolge. Das liegt an der Größe der Pötte in diesen Setzrunden. Hier gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich Zeit für seine Entscheidungen zu nehmen.

Unter Berücksichtigung von Faktoren wie

  • Gegneranalyse
  • Art des Spiels (Cash Game oder Turnier)
  • Anzahl der Spieler in der Hand und Handverlauf

muss die richtige Wahl für eine Poker-Strategie getroffen werden: die Wahl zwischen der Höhe des Einsatzes – sowohl bei Valuebet wie auch bei einem Bluff –, eines schwierigen Calls oder eines notwendigen Folds.

Ein üppiges Arsenal an Variationen im eigenen Spiel kann dabei ein enormer Vorteil gegenüber der Konkurrenz sein. Neben den mathematischen Aspekten (Potodds ect.) spielen insbesondere in aufgeblähten Pötten psychologische Elemente eine Rolle. Besonnenheit und Mut müssen stets ausbalanciert werden. Unüberlegtes Handeln kann zu einer kostspieligen Angelegenheit werden.

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