Österreichs Online-Glücksspiel-Regeln: Offizielle Bedingungen überraschen - besser als befürchtet

Die österreichische Bundesregierung hat die offiziellen Lizenzbedingungen für den neuen Online-Glücksspielmarkt veröffentlicht - und sie weichen in mehreren wichtigen Punkten vom geleakten Entwurf ab, über den wir vor drei Wochen berichtet haben. Die Regeln sind spielerfreundlicher als zunächst befürchtet. Bis 15. Juli 2026 läuft die öffentliche Konsultationsfrist.
Als im Juni ein Entwurf aus dem Finanzministerium durchsickerte, sorgten besonders strenge Limits für Diskussionen: 2 € Maximaleinsatz, 2.000 € Höchstgewinn und Jackpots komplett verboten. Das offizielle Konsultationspapier, das die Koalition am 29. Juni in Begutachtung geschickt hat, zeigt nun ein anderes Bild - die finalen Bedingungen fallen deutlich moderater aus.
Das hat sich gegenüber dem Leak geändert
| Punkt | Geleakter Entwurf (Juni 2026) | Offizielles Konsultationspapier |
| Max. Einsatz pro Runde | 2 € | 5 € |
| Max. Gewinn | 2.000 € | 10.000 € |
| Jackpots | verboten | wieder erlaubt |
| Einzahlungslimit 26+ | 1.680 € / Woche | 1.680 € / Monat |
Diese Änderungen sind für Spieler bedeutsam: Ein Einsatzlimit von 5 € entspricht dem europäischen Durchschnitt, und die Rückkehr von Jackpot-Spielen dürfte das Angebot auf lizenzierten Plattformen erheblich attraktiver machen.
Was bedeutet das konkret für Spieler?
Ab Oktober 2027 können österreichische Spieler erstmals zwischen mehreren legal lizenzierten Online-Casinos wählen - nicht mehr nur Win2Day. Die neuen Anbieter müssen strenge Spielerschutz-Anforderungen erfüllen, was mehr Sicherheit und einen klaren rechtlichen Rahmen bedeutet.
Besonders relevant: Anbieter, die eine Lizenz beantragen, müssen laut Gesetzentwurf alle offenen Spielerschutzklagen begleichen - und zwar nicht nur das antragstellende Unternehmen, sondern alle Firmen desselben Konzerns. Laut Regierung sollen davon rund 20.000 geschädigte Spieler in Österreich profitieren.
Wer derzeit auf nicht lizenzierten Plattformen spielt, sollte außerdem aufpassen: Ab 1. Jänner 2027 können Zahlungsdienstleister Transaktionen zu nicht lizenzierten Anbietern blockieren. Banken, die sich bewusst und wiederholt über diese Sperren hinwegsetzen, drohen Strafen von bis zu 1 Million €.
Die neuen Spielerlimits im Detail
Einzahlungslimits Online:
- 18-26 Jahre: maximal 250 € pro Woche
- Ab 26 Jahren: maximal 1.680 € pro Monat
- Erhöhung ab 23 Jahren auf Einzelfallbasis möglich
Spiellimits Online:
- Maximaler Einsatz: 5 € pro Runde / Spiel
- Maximaler Gewinn: 10.000 €
- Mindestdauer pro Spielrunde: 2 Sekunden
- Pflichtpause nach 90 Minuten Spielzeit
Neu auch für Automaten (Landbetrieb):
Der maximale Einsatz an Glücksspielautomaten sinkt von bisher 10 € auf 5 € pro Runde. Für Automaten gelten die Monatslimits allerdings nur pro Anbieter - bei Online-Spielen hingegen gelten sie anbieterübergreifend für alle Einsätze zusammen.
Jackpot-Spiele, die im geleakten Entwurf noch vollständig verboten waren, sind im offiziellen Papier wieder zugelassen.
Zentrales Sperrsystem für alle Spieler
Ein zentrales Selbstsperrregister soll eingeführt werden, das Online-Casinos, Spielautomaten und stationäre Casinos abdeckt - mit Ausnahme der Lotterie. Eine Sperre gilt dann automatisch für alle lizenzierten Plattformen gleichzeitig, nicht mehr nur plattformbezogen wie bisher.
Was passiert mit meinen Lieblings-Anbietern?
Anbieter, die eine österreichische Lizenz beantragen wollen, müssen ihr bisheriges Angebot in Österreich bis 1. Jänner 2027 einstellen - und zwar so lange, bis die neue Lizenz erteilt wird. Das bedeutet: Manche Plattformen könnten für österreichische Spieler vorübergehend nicht mehr erreichbar sein.
Wer die Übergangsphase ignoriert und nach dem 1. Jänner 2027 weiter ohne Lizenz anbietet, wird für 18 Monate von der Lizenzvergabe ausgeschlossen. Zur Durchsetzung erhält das Amt für Betrugsbekämpfung neue Befugnisse, darunter auch die Möglichkeit zu Testkäufen - auch unter Einsatz von Minderjährigen -, um die Einhaltung von Altersverifikationspflichten zu prüfen.
Sportwetten: Die große Ausnahme
Ein wichtiger blinder Fleck bleibt bestehen: Sportwetten sind nicht Teil des neuen Gesetzes. In Österreich gelten Sportwetten - anders als im Rest der EU - als „Geschicklichkeitsspiel" und fallen damit nicht unter das Glücksspielgesetz. Werbung und Sponsoring sind dort deutlich weniger reguliert, obwohl das Suchtpotenzial hoch ist. Zuständig sind die Bundesländer, nicht der Bund.
Wiener Suchtkoordinator Ewald Lochner lobte gegenüber dem ORF zwar die Stärkung des Spielerschutzes im neuen Gesetz, übte aber genau hier Kritik: Es bestehe die Gefahr, dass Spieler in Richtung Sportwetten ausweichen, die weiterhin kaum reguliert sind.
Was Betreiber mitbringen müssen
Für Anbieter gelten hohe Einstiegshürden: 10 Millionen € Mindestkapital, eine Lizenzgebühr von 70.000 € sowie nachweisbare Compliance-Systeme. Lizenzen werden ausschließlich an Betreiber aus Ländern vergeben, in denen österreichische Gerichtsurteile vollstreckbar sind - ein Detail, das im Kontext von Maltas umstrittenem Bill 55 relevant wird. Im Vergleich: Estland verlangt nur 1 Million € Mindestkapital, Finnland hat keine Mindestanforderung.
Stimmen zur Reform
Die Reaktionen auf den Gesetzentwurf fallen erwartungsgemäß gemischt aus. Die Österreichischen Lotterien, die bisher als einzige Anbieter eine Online-Konzession besitzen, warnen vor einem aggressiv umkämpften Markt mit massiven Werbeaktivitäten durch neue internationale Anbieter.
Der Verein für Wetten und Glücksspiel äußerte sich hingegen positiv: Der heimische Markt werde an europäische Standards herangeführt - allerdings dürfe der Schwarzmarkt nicht gestärkt werden.
Hohe Steuern - ein Risiko für die Spielqualität?
Österreich hat die Glücksspielsteuer zuletzt von 40 auf 45 Prozent erhöht, die Wettabgabe von 2 auf 5 Prozent. Branchenanalysten warnen: Bei dieser Steuerbelastung könnten lizenzierte Anbieter schlechtere Auszahlungsquoten (RTP) bieten - was Spieler möglicherweise wieder in Richtung nicht lizenzierter Plattformen treibt und den Zweck der Reform unterläuft.
Konsultation bis 15. Juli - wie geht es weiter?
Bis 15. Juli 2026 können Betreiber, Branchenverbände und Spielerschutzorganisationen Stellungnahmen einreichen. Danach soll der Entwurf im Juli den Ministerrat passieren, ein Nationalratsbeschluss ist für Herbst 2026 geplant. Eine unabhängige Glücksspielbehörde soll in einem separaten Schritt im Herbst folgen - bis zu deren Einrichtung bleibt das Finanzministerium zuständig.
💡 Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken. Glücksspiel kann süchtig machen. Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Hilfe benötigt, wenden Sie sich bitte an die Spielsuchthilfe unter spielsuchthilfe.at.



