In 12 Schritten zum Pokerprofi

In 12 Schritten zum Pokerprofi

Mit Pokern Geld verdienen – eine schöne Vorstellung. Und diese Vorstellung kann auch zur Realität werden, wenn Sie diszipliniert an ihrer Umsetzung arbeiten. Als zukünftiger Pokerprofi ist es wichtig, dass Sie das Spiel, und als dieses wird Poker klassifiziert, mit anderen Augen sehen. Poker ist dann nicht mehr Ihr Hobby, sondern Ihr eigenes Unternehmen. Jedes Online- oder Live-Turnier und sogar jede einzelne Hand im Cash Game ist eine Investition von Ihrem Unternehmen in Ihr Unternehmen. Bei jeder Ihrer Entscheidungen ist es wichtig, dass Sie diese so emotionslos, aber dafür so profitabel wie möglich treffen.

Wenn Sie ein professioneller Pokerspieler in Deutschland oder auch weltweit werden möchten, sollten Sie eine Vielzahl von Eigenschaften mitbringen. Der Weg zum großen Geld ist mit viel Arbeit gepflastert. Neben den Grundregeln gilt es, sich mit den unzähligen Fachbegriffen und Poker-Strategien auseinanderzusetzen. Um ein besserer Pokerspieler zu werden, ist es notwendig, dass Sie Ihr eigenes Spiel stetig analysieren und anpassen.

Die Entwicklung eines Pokerprofis ist ein niemals endender Prozess. Zudem benötigen Sie Skills wie

  • ♦ Geduld
  • ♦ Disziplin
  • ♦ Strategie
  • ♦ ein gutes mathematisches Verständnis und
  • ♦ ein ausgeklĂĽgeltes Risikomanagement.

Wenn Sie es schaffen, all diese Faktoren zu perfektionieren, können Sie mit Profi-Pokerspiel Ihren Lebensunterhalt verdienen.

1. Das Verstehen und Verinnerlichen des Spiels

Laptop mit Poker Chips

Noch nie war es so leicht sein eigenes Pokerspiel zu verbessern und sich stetig auf die neuesten Gegebenheiten beim Pokern einzustellen. Dies ist sinnvoll und auch notwendig, da sich das Spiel sehr rasant weiterentwickelt. Drei bewährte Möglichkeiten, die Ihnen helfen können, Poker zu verstehen und zu verinnerlichen, sind Bücher, Schulungsplattformen und Coachings.

Finden Sie heraus, welches der zahlreichen Schulungstools Ihnen persönlich den meisten Nutzen bringt und starten Sie mit diesem. Um ein guter Pokerspieler zu werden, ist zu einem späteren Zeitpunkt eine Kombination aller Tools optimal.

a) Poker-BĂĽcher

Für Neueinsteiger bieten sich anfangs leicht verständliche Poker-Bücher an. Sie haben hier den geringsten Zeitdruck und können sich einzelne Kapitel häppchenweise durchlesen. Der größte Vorteil von Büchern ist, dass Sie sich die vielen pokerspezifischen Ausdrücke in Ruhe verinnerlichen können, um diese im Anschluss in weiteren Schulungstools besser zu verstehen. Als kleiner Wegweiser sind hier drei der wichtigsten und bekanntesten Poker-Bücher, die Sie sich mindestens einmal durchlesen sollten:

  1. Die Poker Schule: Texas-Hold'em-Poker für Anfänger und Fortgeschrittene – ohne Limit spielend Geld verdienen (Jan Meinert)
  2. Harrington on Hold’em: Expertenstrategie für No-Limit-Turniere. Band 1: Strategisches Spiel. – Poker (Dan Harrington)
  3. Texas Hold’em Poker – Vom Anfänger zum turnierreifen Pokerstrategen (Stephan M. Kalhamer)

b) Poker-Anbieter in Deutschland

Die größten Online-Poker-Seiten bieten diverse Schulungskurse oder Poker-Schulen auf Ihren Plattformen an. Diese bieten Ihnen die Chance ein besserer Pokerspieler zu werden. So können Sie Ihr Spiel stetig verbessern und sich Ihren eigenen Spielstil aneignen. Denn bleiben Sie zu lange auf dem gleichen Bildungsstand, verpassen Sie womöglich neue strategische Ansätze und die Gegner sind Ihnen immer einen Schritt voraus. Bei allen Pokeranbietern können Sie auch verschiedene Pokerformen ausprobieren, um festzustellen, welche Pokervariante Ihnen am besten liegt. Zu den Top-Pokerplattformen gehören:


c) Live und Online Coachings

Das dritte und leider auch teuerste Schulungstool sind Live Coachings und Online Coachings. Zahlreiche Pokerprofis bieten Tipps in professionellen Coachings an, für die Sie sich als Einzelspieler oder auch in einer Gruppe anmelden können. Egal ob Sie Einsteiger oder fortgeschrittener Pokerspieler sind, Sie finden für die meisten Poker-Varianten Angebote, bei denen die unterschiedlichsten Themenbereiche (Strategie, Handanalyse etc.) besprochen werden. Zusätzlich bieten die meisten Online-Poker-Trainer in Ihren Streams die Option an, eingesandte Videos zu gespielten Händen zu diskutieren.

Kostenfrei und ebenso lehrreich sind Livestreams von Pokerturnieren. Diese werden sogar oftmals von Pokerprofis kommentiert und analysiert. So können Sie sich das Spielverhalten der besten Pokerspieler Deutschlands und weltweit in allen Turnierphasen abschauen und erhalten parallel eine Einschätzung der Kommentatoren.

2. Das Beherrschen der Regeln

Wie in jedem anderen Spiel, mit dem man sich auseinandersetzt, sollte das Beherrschen der Regeln an erster Stelle stehen. Es gibt viele Poker-Varianten, die alle ihre eigenen Regeln haben. Verschaffen Sie sich zu Beginn einen Ăśberblick, um dann zu entscheiden, welche Variante am besten zu Ihnen passt.

Grundsätzlich lassen sich alle bekannten Pokerformen in die Kategorien Hold’em, Draw und Stud unterteilen. Der Unterschied zwischen diesen liegt hauptsächlich in der Art und Weise, in der die Pokerspieler ihre Karten erhalten. Die sicher bekannteste und auch populärste Variante ist No Limit Texas Hold’em. Diese Variante ist es auch, die Sie im Hinblick auf eine Karriere als Pokerprofi unbedingt beherrschen sollten.

Wenn Sie die Grundregeln dieses Spiels verstanden haben, befassen Sie sich direkt mit den wichtigsten Komponenten des Spiels. Auswahl der Starthände, Positionsspiel und Einsatzhöhen sind nur einige von vielen Aspekten, die Sie bestmöglich beherrschen sollten. Mit längerer Spielpraxis werden sich die Grundregeln bei Ihnen automatisieren, sodass Sie dann in tiefgründige Gebiete des Spiels vorstoßen können.

Bevor Sie um Echtgeld spielen, können Sie Ihr bislang erworbenes Wissen beispielsweise bei den diversen Pokeranbietern mit Spielgeld überprüfen und verbessern. Es besteht sogar die Möglichkeit über angebotene Freeroll-Turniere (Turnier ohne Buy-in), um echtes Geld zu spielen. Alternativ können Sie sich mit Gleichgesinnten auch zu einer Home-Runde verabreden, bei der nur um kleine Einsätze gespielt wird. Letzteres hat den Vorteil, dass Sie mit den übrigen Spielern am Tisch Handverläufe reflektieren und diskutieren können. Erst wenn Sie die Grundregeln ausreichend beherrschen und sich sicher in Ihren Aktionen fühlen, sollten Sie einen Schritt weiterdenken.

3. Das richtige Bankroll-Management

Um sich den Traum vom Pokerprofi zu verwirklichen, ist es notwendig, nicht nur das Können am Tisch zu beherrschen, sondern eine gesunde Balance zwischen Investition und Reinvestition zu finden. Legen Sie also viel Wert auf den Aufbau und das Management einer soliden Bankroll (Verfügungsrahmen).

Ein stabiles Bankroll-Management (BRM) heißt, dass Sie genau die Limits spielen, die Ihren Gewinn maximieren und gleichzeitig das Verlustrisiko so gering wie möglich halten. Legen Sie einen realistischen Etat fest, mit dessen Verlust Sie im Zweifel leben können und überlegen Sie, ob Sie sich mit einem kleinen Startguthaben nach oben arbeiten oder mit einem hohen Startkapital den großen Schritt wagen. Gehen Sie direkt aufs Ganze, sollte die Höhe des Startkapitals so ausgerichtet sein, dass Sie einen länger anhaltenden Downswing (Negativtrend) abfedern können – und das, ohne schnell Bankrott zu gehen. Das Gehalt eines professionellen Pokerspielers erhöht sich zu Beginn eher langsam. Oftmals stagniert es auch oder geht nach unten. Bedenken Sie: Sie werden nicht immer gewinnen!

Es gibt zahlreiche Hilfestellungen, mit denen Sie fĂĽr Ihren Spielstil einen geeigneten Plan fĂĽr ein solides BRM erstellen. Dabei wird deutlich, dass es keine festen Regeln fĂĽr ein Bankroll-Management im Poker gibt, sondern nur Empfehlungen. Folgende Tabelle kann als Anhaltspunkt dienen, um Ihre Bankroll auf Dauer stabil zu halten.

Poker Bankroll Management Tabelle

Varianteaggressivenormaltight
NLHE Full Ring30 BI65 BI100 BI
NLHE Hold'em 6-Max50 BI100 BI150 BI
MTTs60 BI150 BI250 BI
SnGs30 BI90 BI150 BI
SnGs Turbo50 BI125 BI200 BI

Legende:

NLHE = No Limit Hold'em­
MTTs = Poker-Turniere
SnGs = Sit-and-Gos (6 bzw. 9 Spieler)
BI = Buy-In, bei Cash Game-Varianten entspricht ein Buy-In 100 Big Blinds

4. Die Wahl der richtigen Starthand

Ihre Starthand ist ein maßgeblicher Wegweiser für den weiteren Verlauf und Ihre Erfolgschancen. Leider bekommen wir hohe Paare wie JJ oder besser nicht am laufenden Band. Daher sollten Sie auch mittelstarke Hände in gewissen Situationen mit in Ihr Spiel einbauen. Der Wert einer Hand ist immer relativ, was oft vergessen wird.

Die BerĂĽcksichtigung der Starthand setzt verschiedene Faktoren voraus, von denen wir uns die wichtigsten ansehen. Folgende Aussagen beziehen sich auf das Preflop-Spiel (Spiel vor der Ausgabe der Community Cards).

a) Position

Generell gilt, je früher und damit schlechter Ihre Position ist, umso stärker sollte Ihre Starthand sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass hinter Ihnen noch eine starke Hand folgt, ist um Einiges höher. Die beste Position am Tisch ist der Button (Dealer), da Sie sich in der komfortablen Situation befinden, als letztes in Aktion treten zu dürfen. Sie haben somit den Vorteil, besser auf die vorherige Aktion reagieren zu können.

b) Tischdynamik

Jeder Tisch hat eine Mischung von aktiveren und passiveren Spielern. Je mehr aktive Spieler sich am Tisch befinden, umso ausgewählter sollte Ihre Starthand sein. Handelt es sich bei Ihren Gegnern um eher passive Spieler, können Sie Ihre Range (Auswahl an Starthänden) entsprechend etwas erweitern, da Sie öfter mit einer Bet (Einsatz) den Pot direkt gewinnen können und seltener auf ein Raise (Erhöhung) Ihre Hand folden (aufgeben) müssen.

c) Handverlauf

Nehmen wir an, Sie halten AQ. In der Regel ist das eine Hand, mit der Sie immer spielen und in den meisten Fällen sogar raisen sollten. Wie sieht es aber aus, wenn es vor Ihnen eine Bet, ein Raise und ein All-in gab? Ist AQ da wirklich noch eine komfortable Hand? Wie gesagt, jede Hand ist relativ!

d) Odds

Die sogenannten Odds kommen meist zum Einsatz, wenn Sie im Small oder Big Blind sitzen. Sie haben bereits Ihren Pflichteinsatz getätigt und müssen nach einem vorangegangenen Raise nur noch einen Differenzbetrag dazuzahlen. Hier macht es häufig Sinn, auch marginale Hände zu bezahlen, die Sie normalerweise folden würden, da Sie den Flop zu einem billigen Preis sehen können.

5. Das gewisse mathematische Verständnis

Mann setzt auf River im Poker

Mathematik ist sicher etwas, um das die meisten einen großen Bogen machen und sich nur ungern beschäftigen. Allerdings führt auf dem Weg zum erfolgreichen Pokerprofi kein Weg daran vorbei. Outs und Pot Odds bilden eine wesentliche Entscheidungshilfe dabei, ob ein Call dauerhaft profitabel ist oder nicht.

a) Outs

Unter dem Begriff Outs verbirgt sich die Anzahl der Karten, die Ihnen zum Vervollständigen Ihrer Hand fehlt. Sie halten beispielsweise nach dem Flop einen Flushdraw (4 Karten der gleichen Farbe). Im Kartendeck befinden sich insgesamt 13 Karten der gleichen Farbe, 9 davon sind also noch übrig. Das sind Ihre Outs. Um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dass eine von diesen 9 Karten aufgedeckt wird, kann man sich zu Beginn einer Faustregel bedienen:

    â™  Von Flop > Turn oder von Turn > River rechnen Sie die Anzahl der Outs x2+2

    â™  von Flop > River rechnen Sie die Anzahl der Outs x4

Werden Sie beispielsweise auf dem Turn mit einer Bet konfrontiert und benötigen noch eine Karte der richtigen Farbe für Ihren Flush, rechnen Sie: 9x2+2 und kommen auf eine Wahrscheinlichkeit von 20% Ihre Hand zu verbessern und den Pot zu gewinnen. Schön und gut, aber was bedeutet das jetzt für Ihre Entscheidung? Hier kommen nun die Pot Odds ins Spiel.

b) Odds und Pot Odds

Die Pot Odds beschreiben den noch zu bringenden Einsatz im Verhältnis zum aktuellen Wert des zu gewinnenden Pots. Bleiben wir bei unserem oben genannten Beispiel, gewinnen wir also in 20% der Fälle den Pot, in 80% kommt unser Flush nicht an. Daraus ergeben sich Odds von 1:4 (25%). Nehmen wir an, sie müssen in dieser Hand 10$ einzahlen, um 70$ zu gewinnen, ergeben sich Pot Odds von ca.14%, da wir ein Siebtel des Gesamtpots einzahlen müssen. Da unsere Odds von 25% größer sind als die 14%, wäre ein Call in diesem Fall angebracht.

Die Berechnungen müssen in einigen Situationen wie beispielsweise „das Spiel kurz vor den Geldrängen“ erweitert werden, da hier noch ein weiterer Wertfaktor ins Spiel kommt. Einen groben Überblick über die gängigsten Kombinationen kann man sich über Odds Calculators verschaffen, die es u.a. bei 888poker oder GGPoker gibt.

6. Das richtige Bluffen

Wie bluffen Sie am besten und wann? Der Bluff ist beim Poker ein sehr wichtiger Spielzug. Das Ziel sollte es immer sein, eine stärkere Hand als die eigene zum Folden zu bringen. Gerade Anfänger übersteuern das Bluffen aber häufig und verteilen dadurch nicht nur unnötig Chips, sondern reduzieren auch ihr eigenes Image am Tisch. Generell gilt beim Bluffen: „Timing ist alles!“

Hierzu eine kleine Rangliste mit den wichtigsten Regeln:

a) Bluffen Sie nie gegen einen Anfänger

Viele Anfänger oder schlechtere Spieler verstehen häufig nicht, wann ein Call nicht mehr profitabel ist. Im schlechtesten Fall erweisen diese sich dann als sogenannte Calling Stations, die sich nicht mehr aus der Hand drängen lassen. Am Ende investieren Sie eine Menge Chips, um dann als besserer Pokerspieler mit heruntergelassener Hose dazustehen.

b) Nutzen Sie Ihr Image

Sollten Sie durch Ihr bisheriges Spiel ein eher tightes Image (zurückhaltende Spielweise) aufgebaut haben, so kommen Sie mit einem Bluff eher ans Ziel, als ein Spieler, der viele Hände spielt und auch schon mal beim Bluffen aufgeflogen ist.

c) Machen Sie es teuer

Grundsätzlich sollte ein Bluff immer hoch angespielt werden, um die Hand für den Gegner wenig lukrativ zu machen. Wenn sich Ihr Gegner mit den Pod Odds auskennt, wird er sich sehr wahrscheinlich aus der Hand entfernen, wenn er keine Optionen sieht, die Hand zu gewinnen. Gelegentlich können sich auch kleine Einsätze als profitabel erweisen, wenn Sie sich sicher sind, dass Ihr Gegner einem Draw (unvollständige Hand) hinterherläuft, der am Ende nicht ankommt.

d) Nutzen Sie den Semi Bluff

Ein Semi Bluff ist ein Bluff mit einer Hand, die noch Potenzial aufweist – beispielsweise einem kleinen Paar oder einem Draw. Selbst wenn Ihr Gegner seine Hand nicht direkt aufgibt, haben Sie noch Möglichkeiten, die Hand zu gewinnen. Sie gehen damit ein kleineres Risiko ein. Oft werden diese Hände von Anfängern zu passiv gespielt.

e) Schwächen erkennen

Durch das Studieren des Tisches ist Ihnen sicher aufgefallen, welche Spieler dazu neigen vom Gas zu gehen, nachdem sie zuvor noch Stärke signalisiert haben. Nutzen Sie das, um aktiv zu werden und sich den Pot zu holen. Aber Vorsicht, gute Spieler kennen auch Ihre Reaktion und warten nur darauf, dass Sie in die Falle tappen!

Poker-Expertenwissen

7. Die Gewinn-Verlust-Optimierung

Gewinnen Sie viel, verlieren Sie wenig. Leichter gesagt als getan, denken Sie? Mit wachsender Erfahrung und Spielintelligenz lernen Sie, die Ranges (mögliche Starthände des Gegners) genauer einzuschätzen. Dies bedarf natürlich einer schnellen Auffassungsgabe und einer genauen Analyse Ihrer Gegner.

Während Anfänger leicht dazu neigen am River mit einer starken Hand zu checken, um günstig in den Showdown zu kommen, überlegt sich der starke Spieler, ob er von einer schlechteren Hand noch etwas Auszahlung bekommt. Diese Art von Einsätzen nennt man Value (Wert) Bet. Ein einfaches Beispiel:

Sie halten A♣K♥. Auf dem Flop folgt A♥Q♣5♦. Sie setzen auf dem Flop, der Gegner bezahlt. Auf dem Turn folgt die 3♦. Sie setzen erneut und Ihr Gegner callt nochmal. Auf dem River sehen Sie die 8♠. Sie können sich mit Ihrem getroffenen Top-Pair (höchstes Paar, AA) und Top-Kicker (Beikarte, K) relativ sicher sein, die aktuell beste Hand zu halten. Wenn Sie denken, dass Ihr Gegner mit einer stärkeren Hand bereits vorher erhöht hätte, können Sie ohne größere Bedenken nochmal eine dünne Value Bet platzieren und erhalten sehr wahrscheinlich noch Auszahlungen von einem kleineren A Treffer oder sogar Händen wie QK oder QJ. Sicher werden Sie auch einmal in die Falle laufen und müssen nach einem Raise folden. Aber auf lange Sicht gesehen sind das genau die zusätzlichen Chips, die am Ende darüber entscheiden, ob Sie in die Geldränge kommen oder nicht.

Umgekehrt verhält es sich, wenn Sie in einen Pot mit einer starken Hand involviert sind, die aber noch Gefahr läuft, überholt zu werden oder bereits hinten liegt. Hier sprechen wir von der sogenannten Pot Control (Pot-Kontrolle), auch hierzu ein einfaches Beispiel:

Sie halten A♠A♥ und haben natürlich vor dem Flop bereits erhöht. Als Flop kommt K♣J♣9♦. Sie spielen eine weitere Bet und Ihr Gegner bezahlt diese. Auf dem Turn folgt das A♣. Sie haben jetzt zwar ein Set (Drilling) A, aber werden auch von einem ankommenden Flush oder auch einer Straße mit QT überholt. Ihre Hand ist nun zu stark, um sie aufzugeben, aber auch zu angreifbar, um weiter ohne Bedenken Chips zu investieren. Hier sollten Sie vom Gas runter gehen und versuchen, so günstig wie möglich in den Showdown zu kommen, um nur das Minimum zu verlieren. Hierfür gehen Sie in den Check-Call-Modus über.

8. Das richtige Lesen der Gegner

Wer kennt sie nicht – die Situationen, in denen man nur als Statist am Spiel teilnimmt, weil man einfach keine spielbaren Hände bekommt. Gerade diese Phasen sind es aber, die Sie nutzen können und sollten, um Auffälligkeiten Ihrer Gegenspieler aufmerksam zu studieren. Gerade Anfänger neigen dazu, unbewusst verhaltensauffällig zu werden. Diese Auffälligkeiten unterscheiden wir in folgende zwei Gruppen:

a) Spielweise

Jeder Spieler hat seinen eigenen Spielstil und seine eigene Spielweise. Nur wenn Sie wissen, mit welchem Spielertyp Sie es zu tun haben, können Sie auch Ihr Spiel entsprechend anpassen. Wir unterscheiden zwischen folgenden Spielertypen:

    ♥ Loose passive (Calling Station): spielt viele Hände, übernimmt aber selten die Initiative

    ♥ Tight passive (Nit): möchte kein großes Risiko eingehen und lässt sich dadurch leicht aus der Hand treiben; das klassische Gegenteil der Calling Station

    ♥ Rock (Felsen): spielt ebenfalls nur die starken Hände und blufft so gut wie nie

    ♥ Loose aggressive (LAG): spielt eine große Range (viele Hände) sehr aggressiv

    ♥ Tight aggressive (TAG): spielt nur ausgewählte Hände, diese aber ebenfalls aggressiv

b) Tells

Ein Tell ist ein erkennbares Verhalten eines Pokerspielers, das RĂĽckschlĂĽsse auf die Bewertung seiner Karten erlaubt.

Die meisten Tells gibt es natürlich beim Live-Poker. Dies sind kleine Gesten, der erste allgemeine Eindruck, das Auftreten oder auch die Kleidung. Tells können sich somit schon vor der ersten gespielten Hand zeigen. So entpuppt sich ein klassischer Anzugträger meist als ein konservativer Spieler, während eine auffälligere Kleidung eher auf einen looseren Spielertypen hinweist.

Ein weiterer, häufiger Tell ist das Stapeln der Chips. Werden die Chipstapel beispielsweise sorgfältig sortiert und gebaut, deutet dies häufig auf einen eher konservativen Spieler hin.

Weitere Tells können nach dem Ausgeben der Holecards beobachtet werden. Einige Spieler verändern ganz unbewusst Ihre Sitzposition, indem sie beispielsweise eine aufrechte Haltung annehmen und somit ein starkes Interesse an der weiteren Action zeigen. Spieler, die suited Hands (Karten der gleichen Farbe) halten, sichern sich während einer Hand oftmals durch einen wiederholten Blick in ihre Karten ab, ob ihr Flush ankommt oder angekommen ist.

Eine weitere wichtige Beobachtung ist die Geschwindigkeit diverser Aktionen. Entscheidet sich ein Spieler beispielsweise sehr schnell dazu eine Bet zu bezahlen, ist dies häufig ein Zeichen dafür, dass er bereits getroffen oder aber eine ausbaufähige Hand hat.

Tells können Sie natürlich nicht nur beim Live-Poker, sondern auch beim Online-Poker beobachten. Hier helfen Ihnen die Live-Tells nicht weiter. Daher gilt es neben dem Erkennen der Reaktionsgeschwindigkeit in bestimmten Situationen vor allem darum, die Spielweise Ihrer Gegner zu entlarven. Nutzen Sie die Spielernotizen, die alle Pokeranbieter zur Verfügung stellen, als Kartei für Ihre Gegner.

Für Tells gelten die gleichen Regeln wie fürs Pokern allgemein. Das Wichtigste ist „üben, üben, üben“ und Erfahrung sammeln. Je mehr Zeit Sie in die Beobachtung der anderen Spieler investieren, desto besser wird Ihre Sensibilität für Details.

9. Das Kontrollieren Ihrer Emotionen

Es gibt zwei Negativsituationen bzw. -phasen, mit denen Profi-Pokerspieler ebenso kämpfen wie Anfänger – Downswings und Bad Beats. Der Downswing ist eine Phase oder Zeitspanne, in der Sie als Spieler trotz korrektem Spiel Verluste einfahren – quasi eine Pechsträhne. Als Bad Beats bezeichnet man in den Hold’em Varianten das Verlieren einer Hand trotz ihrer anfänglichen, offensichtlichen Stärke gegenüber der Hand des Gegners. Der Unterschied zwischen Profi und Anfänger besteht allein im Umgang mit diesen Erlebnissen. Beachten Sie folgende Richtlinien, um jederzeit einen kühlen Kopf zu bewahren:

    ♣ Machen Sie sich vorher bewusst, dass Sie das nötige Kartenglück nicht für sich alleine gepachtet haben. Mal haben Sie Glück, mal haben Sie Pech. Die Varianz ist ein maßgeblicher Teil des Spiels, den Sie nicht beeinflussen können. Akzeptieren Sie das Ergebnis und konzentrieren Sie sich auf die nächste Hand.

    ♣ Nehmen Sie sich Pausen, wenn es nicht läuft oder Ihnen der letzte Bad Beat immer noch zu schaffen macht. Gehen Sie beispielsweise während einer Cash Game Session kurz an die frische Luft, essen Sie etwas oder beraten Sie sich, wenn möglich, kurz mit einem Freund. Gehen Sie nach Ihrer Rückkehr im Zweifel an einen anderen Tisch.

    ♣ Erinnern Sie sich an die Situationen zurück, an denen Sie Glück hatten. Diese werden leider von uns automatisch von den negativen Ereignissen nach hinten gedrängt.

    ♣ Lassen Sie sich während einer negativen Phase auf keine Dialoge ein. Schalten Sie beim Onlinespiel am besten die Chat-Funktion aus oder vermeiden Sie im Live-Spiel Trash Talk mit Ihren Gegnern.

    ♣ Bevor Sie sich vollends aufreiben, beenden Sie Ihre Poker-Aktivitäten für den Tag. Es gibt Tage, an denen verliert man einfach. Nehmen Sie es so an und starten Sie am nächsten Tag mit neuer Energie.

10. Das regelmäßige Spielen

High Pair aus zwei Assen

Wie bei jeder anderen Sache, die Sie erfolgreich praktizieren möchten, gilt auch beim Pokern das Prinzip „Learning by Doing“. Poker ist ein Spiel, bei dem keine Situation einer anderen gleichzusetzen ist. Jede gespielte Hand hat eine andere Struktur oder unterschiedliche Voraussetzungen. Wichtig ist es dabei, die gelernten Erfahrungen nicht nur zu machen, sondern diese im Nachgang zu analysieren und zu reflektieren, um in ähnlichen Situationen künftig besser zu agieren. Fehler sind wichtig für Ihre Entwicklung. Je mehr Fehler Sie machen, umso größer wird Ihr Erfahrungsschatz, der Sie in der Zukunft bei schwierigen Entscheidungen unterstützt. Nutzen Sie neben Eigenanalysen auch Ihr Pokerumfeld, um die eigenen Schwächen herauszukristallisieren und an ihnen zu arbeiten.

Regelmäßiges Spielen hilft Ihnen eine eigene Strategie und eine Routine für jede Situation zu entwickeln. Setzen Sie sich zu einzelnen Sessions Ziele, die Sie priorisiert in den Vordergrund stellen. Beispielsweise können Sie versuchen, in einer Session nur mit der besseren Hand als Ihr Gegner in den Showdown zu kommen. Oder Sie nehmen sich vor, eine Session aggressiver und mit mehr 3-Bets (Reraise) zu spielen.

Auch, wenn sich diese Tagesziele am Ende nicht als profitabel erweisen, werden sie Ihnen am Ende bei der Entscheidungsfindung des richtigen Spiels helfen. Ebenso werden Sie durch regelmäßiges Spielen schneller lernen, mit Bad Beats umzugehen und Ihre Emotionen besser zu kontrollieren. Eine gesunde Selbsteinschätzung wird Sie davor bewahren, sich in schwierige Situationen zu begeben oder zu schnell zu hohe Level zu spielen.

Aber – gerade Anfänger sollten sich nach einem sehr erfolgreichen Tag lieber einen Tag Pause gönnen. „Drauf auf den Lauf“ ist zwar generell richtig, kann aber auch zu einem Selbstverständnis führen, das für Ihr Spiel nicht förderlich ist. So kann es leichter passieren, dass Sie Ihre eigenen Vorgaben brechen und sich öfter auf den Glücksfaktor verlassen als gewollt. Bedenken Sie, erfolgreiche Tage sind nicht die Regel.

11. Das passende Umfeld

Routine und Rituale sind wichtig für unser Wohlbefinden und geben uns eine gewisse Sicherheit. So sollten Sie auch als Pokerprofi in Deutschland Ihren Tag wie in einem normalen Bürojob nach gleichen Mustern und Gebräuchen strukturieren.

a) Bringen Sie Routine in Ihren Alltag

Ein gleichbleibender Tagesablauf verhilft Ihnen zu einem Rhythmus, der Ihnen Planungssicherheit und dadurch die nötige Ruhe gibt. Schaffen Sie sich kleine Erfolgserlebnisse wie die tägliche Laufeinheit oder ein selbstgemachtes Frühstück.

b) Schotten Sie sich ab

Spielen Sie in einem Raum, in dem Sie sich wohlfühlen und konzentrieren können. Ein Fernseher, ein klingelndes Telefon oder spielende Kinder lenken Sie nur ab – und das schadet Ihrem Spiel.

c) Erledigen Sie vorher alles andere

Sie brauchen einen klaren Kopf, wenn Sie erfolgreich Poker spielen wollen. Also versuchen Sie alles vorab zu klären und abzuhaken, was Ihre Konzentration später stören könnte.

d) Planen Sie regelmäßige Pausen ein

Legen Sie sich feste Pausenzeiten zu, um kurz an die frische Luft zu gehen oder etwas zu Essen. Dies ist vor allem in Cash Game-Runden möglich. Zu lange Frequenzen vor dem Bildschirm schaden Ihrer Aufmerksamkeit und Ihren Augen. In den stündlichen Pausen beim Online-Turnierpoker stehen Sie auf und bewegen Sie sich etwas.

e) Achten Sie auf Ihre Ernährung

Chips und Schokolade sind eine schnelle Versuchung, da sie leicht nebenbei zu essen sind. Jedoch sinkt Ihr Energielevel kurze Zeit später rapide ab. Um Ihre volle Aufmerksamkeit und Fitness aufrecht zu erhalten, versuchen Sie leichte Kost und legen Sie Ihre Mahlzeiten bewusst geplant in die Pausen.

f) Treffen Sie Vereinbarungen

Legen Sie feste Zeiten mit Ihrem Partner und/oder Ihren Kindern fest, in denen Sie pokern und in denen Sie nicht gestört werden. Erklären Sie, dass Poker in dieser Zeit Ihr Job ist. Das verhindert immer wiederkehrende Diskussionen und schlechte Stimmung, die Sie ablenkt.

Diese Konstanten sind wichtig, um sich eine Wohlfühloase zu schaffen, in der Sie ungestört Ihrer Arbeit nachgehen können. Wenn Sie sich konsequent an Ihre eingespielten Strukturen halten, werden Sie feststellen, dass Sie Ihre Konzentration lange aufrechterhalten können und Ihr Pokerspiel davon profitiert.

12. Das verantwortungsvolle Spielen

Wann immer Sie um Echtgeld spielen, riskieren Sie auch Verluste! Die oberste Poker-Regel lautet: Spiele niemals mit Geld, das du zum Leben benötigst! Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich vor Ihrer Session ein Limit setzen, mit dessen Verlust Sie im Zweifel leben können. Vermeiden Sie ebenfalls Ihr Spiel mit Stress oder schlechten Emotionen zu beginnen.

Gutes und diszipliniertes Poker zu spielen schaffen Sie nur mit einem freien Kopf. Erwischen Sie sich selber dabei, wie Sie aus Frust oder Langeweile Ihre Bankroll immer näher an den Null-Bereich bringen, nutzen Sie die angebotenen Einzahlungslimits, die fast alle Online-Pokerräume anbieten. Sollte Ihr Limit erreicht sein, nutzen Sie die gewonnene Zeit, um Ihr Spiel zu hinterfragen oder sich einfach neu zu justieren. Vielleicht hilft es Ihnen auch, für einen gewissen Zeitraum kleinere Levels zu spielen, um nach einiger Zeit wieder für die höheren Limits bereit zu sein. Einige Pokeranbieter haben inzwischen einen sogenannten Panikbutton, der Sie für 24 Stunden vom Spielbetrieb ausschließt.


Wichtiger Tipp: Viele schaffen den Sprung zum professionellen Pokerspieler aus verschiedenen GrĂĽnden nicht. Nur zu wissen, was ein Bluff ist, reicht nicht. Sichern Sie sich mit einer RĂĽckkehr in Ihren Job ab oder entwerfen Sie sich einen Plan B, um anschlieĂźend nicht ein groĂźes Loch zu fallen.

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Poker-Strategie-Artikel

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